Tipps zum Band-Fotoshooting

Anständige Bandfotos sind ein Thema was viele Bands aus Kostengründen öfters vernachlässigen.
Dabei ist es, wie bei Bewerbungen für einen Job auch, der erste Eindruck zählt nun mal. Daher sollte man schon ein bischen Budget in einen guten Fotografen und somit in seine Bandfotos bzw. Image investieren.
Ich habe mich für euch mit Conny von Fotografik (www.cornelia-koester.de) getroffen und mit Ihr über viele Themen rund ums Bandfotoshooting, die richtige Vorbereitung dafür und vorallem über die entsprechenden Nutzungsrechte geplauscht. Aber lest selbst 🙂

Hi Conny, schön dass es mit dem Termin für das Interview geklappt hat 🙂
Bandfotos sind ja ein extrem wichtiger Bestandteil des Images einer Bands. Leider gibt es da aber auch jede Menge Fallstricke und Dinge die man in Punkto guter Vorbereitung des Shootings und Bildrechte etc. beachten sollte. Aber erzähl uns doch erst mal ein bischen etwas über Dich und Dein aktuellen Projekte.

Erst einmal vielen Dank Chris, für die Einladung zu diesem Interview!

Ich bin Conny (Cornelia hat mich zuletzt mein Professor genannt), sage gerne, dass ich zum X. Mal 40 bin (die Blicke der Leute sind einfach köstlich) und arbeite als Artdirector und Fotograf. 

Ich wollte bereits mit 16 Jahren Fotograf werden, was mir damals aber ausgeredet wurde und so entdeckte ich das Studienfach Kommunikationsdesign. Das umfasste so viele Bereich die mich interessierten, dass ich mich um einen Studienplatz unter anderem in Aachen bewarb und verwunderlicher Weise auch genommen wurde. (Verwunderlich deshalb, weil ich zur Prüfung eher demotiviert und mit einer LMA Einstellung, wie sie glaube ich nur 18 Jährige haben können, den Professoren gegenüber stand, dass ich mich heute wirklich frage, was sie damals in mir gesehen haben.)

In den ersten Jahren als Designer führte mein Weg mich unter anderem ins Agenturleben und dann als Artdirector in die Modebranche. Ich entwickelte hier unter Anderem die Bildkonzepte der kommenden Saisons, arbeite direkt mit den Modedesignern zusammen, briefte die Foto- und Videografen, Hair & MakeUp Artisten, die Stylisten und entwarf die Layouts für diverse Medien. Es war toll mit absoluten Könnern ihres Fachs wie Kristian Schuller (Fashion Fotograf, Juror bei Germanys Next Topmodel), Norbert Cheminel (Hair-MakeUp Artist), Felix Fischer (Hair-MakeUp Artist) und Anderen am Set zusammen arbeiten zu können.

Die Fotografie suchte immer wieder ihren Weg in mein Leben und irgendwann kam dann die Entscheidung für ein neues Lebenskonzept. Ich suchte mir einen Teilzeitjob um parallel dazu Zeit zu haben meine eigene Fotografie zu entwickeln und auszubauen.

Seid wann beschäftigst Du Dich professionell mit Fotografie ?

Das kommt jetzt auf die Sichtweise an. Wenn die Arbeit als Artdirector mit anderen Fotografen dazu zählt, dann seit 2010. Wenn nur die Zeit gilt in der ich selbst die Kamera in der Hand habe, dann seit etwa 2015.

Zur Fotografie im Musikbereich kam ich dabei eher durch einen glücklichen Zufall, als ich nach einer Krankheitsphase wieder auf die Beine kam und die Chance nutzte frei für eine kleine Zeitung zu arbeiten. Am ersten Tag wurde ich direkt in ein Interview mit Rolf Stahlhofen (Söhne Mannheims) geschoben. Ich sollte an dem Tag eigentlich nur mit gehen und sehen wie andere arbeiten. Vor Ort fragte „mein Kollege“ mich ob ich Rolf Stahlhofen kennen würde. Nachdem ich ja sagte, meinte er: gut, Rolf käme gleich aus der Probe raus und ich solle das Interview führen. Es ist immer schön wenn man so wenig Zeit wie möglich bekommt um nervös zu werden oder sich Gedanken zu machen.

Welche Projekte im Bereich Musikfotografie machst Du sonst noch ?

Ich liebe meine Tätigkeit im R´n´P Wiesloch (www.rnp.rocks), wobei ich mich in Sachen Konzertfoto- und Videografie einfach völlig frei ausleben kann. Mittlerweile ist es wie zu meinem zweiten Wohnzimmer geworden. Oder wohl eher zu meinem einzigen, denn ich lebe sonst in meinem kleinen Studio. So lange sich die Termine nicht mit anderen kreuzen trifft man mich hier bei ziemlich jeder Veranstaltung an.

Mein momentanes Baby im Bereich Musik/Konzertfotografie ist mein neues Magazin STAGE EMOTIONS (www.cornelia-koester.de/stageemotions). Es ist als eine Art Bildband-Magazin konzipiert und soll 2x im Jahr erscheinen. Im Zuge von Corona aber wird das dieses Jahr leider nicht möglich sein, da es derzeit nun mal keine Veranstaltungen gibt. Es ist eine Art BestOf dessen, was vor meiner Linse passiert.

Worüber sollte sich eine Band Gedanken machen bevor Sie einen Fotografen beauftragt ?

Art der Bilder :
Soll es ein Artwork z.B. für ein Plattencover werden
oder soll es ein Portrait der Band/der Mitglieder werden?

Timing:
Gibt es ein Timing, eine Deadline bis wann die finalen Bilder benötigt werden?

Postproduktion:
Also die Weiterbearbeitung der Bilder. Sei es die Bildretusche oder ggfls die Erstellung des Artworks aus den Bildern (beispielsweise für ein Plattencover). Übernimmt die Postproduktion auch der Fotograf oder ein anderer Dienstleister/Grafiker? (Ein kleiner Tip für Bands am Rande: klärt auch ab ob Ihr Rohdaten vom Fotografen braucht oder JPGs reichen, denn falls ein Fotograf auch Rohdaten raus gibt, sind diese in aller Regel auch wesentlich teurer).

Die Bilder selbst:
Wie sieht sich die Band, wie möchte sie sich darstellen? Das können einfach Adjektive oder eine ganze Geschichte sein.
Wieviele Bandmitglieder sind es?
Möchte die Band ein Gruppenbild mit allen Mitgliedern oder sollen Aufnahmen der einzelnen Mitglieder gemacht werden?

Location:

Sollen die Bilder im Studio oder On Location gemacht werden?
Bei einem Shooting on Location, kümmert sich die Band um die Location oder soll der Fotograf aktiv werden?
Wenn die Band sich darum kümmert, sollte die Location auf jeden Fall vorher mit dem Fotografen begangen werden um zu sehen wie die Gegebenheiten sind, was an Equipment benötigt wird, ob/welche Infrastruktur vorhanden ist.

Von all diesen Punkten hängt der Zeitplan eines Shootings ab und damit auch Dinge wie die Verpflegung aller am Set. Auch hier muss vor der Beauftragung des Fotografen geklärt werden, wer sich darum kümmert. Bei großen Produktionen gibt es für all diese Dinge um das Shooting herum eine Person die sich nur darum kümmert aber bei kleineren Bands wird das eher nicht der Fall sein. Je nach Wunsch und Budget übernehme ich beispielsweise auch schon mal solche organisatorischen Dinge.

Über die Nutzungsrechte:
Wofür sollen die Bilder genutzt werden/Welche Medien und Kanäle, wie lange sollen die Bilder eingesetzt werden. Werden die Bilder nur online genutzt oder auch für Printprodukte?
Werden die Bilder nur in Deutschland, Europa genutzt oder sogar weltweit?
Soll mit den Bildern nur geworben werden oder möchte die Band damit auch Merchandising produzieren?

Was ist in Punkto Nutzungsrechte ganz wichtig zu beachten ?

Wichtig ist, dass sich die Band beispielsweise auch die Rechte dafür einholt, die Bilder an Dritte weiter zu geben. Denn sonst dürfte die Band das Bildmaterial nicht an einen Veranstalter geben, der sie gebucht hat, um das Konzert zu bewerben. 

Und nur weil ein Bild z.B. im Netz veröffentlicht ist, heißt das nicht, dass man sich dieses nehmen und weiter verwenden kann (da man vielleicht ja selbst darauf zu sehen ist). 

Gegen das korrekte TEILEN in sozialen Netzwerken hat wahrscheinlich kaum ein Fotograf etwas. Aber ich habe es leider selber schon mehrmals erlebt, dass geklautes Bildmaterial von mir bei anderen Veranstaltungen gelandet ist. 

Ein Beispiel: 

Band A findet ein Bild von sich im Internet, zieht sich das auf den eigenen Rechner und gibt es später einem Veranstalter damit der das nächste Konzert mit der Band bei sich bewirbt. Damit bringt die Band sich UND den Veranstalter in Teufels Küche. Denn der Fotograf kann jetzt gegen zwei Parteien vorgehen. 

Weder der Veranstalter noch die Band hatten vom Urheber das Recht das Bild zu nutzen. Der Veranstalter wusste wahrscheinlich nicht einmal etwas davon und kann nun aber vom Fotografen zur Kasse gebeten werden (denn er hat es veröffentlicht). 

Die Band kann der Fotograf auch zur Kasse bitten, denn sie durfte mit dem Bild überhaupt nichts machen, hat es sich aber auf den eigenen Rechner gezogen und weiter gegeben. 

Der Veranstalter könnte nun wiederum an die Band heran treten und sich bei denen etwas wieder holen was er dem Fotografen zahlen musste (falls die Band ihm zugesichert hat, die Band dürfe die Bilder weiter geben).

An dieser Stelle kann ich einfach den Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht, Sebastian Deubelli, nicht oft genug empfehlen kann! Er hat einen eigenen Podcast „kreativ(ge)recht“ und berichtet hier wirklich verständlich über alles Wichtige in Sachen Rechte für Kreative/Urheber.


Aus welchem Musikgenere kommen Deine bisherigen Kunden ?

Die meisten von Ihnen kamen bisher aus dem Bereich Rock, Hard Rock, Metal. Wobei ich aber auch schon mit einer Opernsängerin gearbeitet habe.

Was für eine Musikrichtung hörst Du persönlich?

Das ist stark von meiner Stimmung und dem abhängig was ich gerade mache. In Bands gesprochen reicht es von Led Zeppelin, Iron Maiden, Pearl Jam, Rival Sons bis zum Manchester Orchestra oder Will Varley.

Während der Shootings läuft bei mir auch grundsätzlich Musik und zwar am liebsten so laut es die Möglichkeiten und Umgebung zulässt. Dabei lege ich aber großen Wert darauf, dass es der Musikgeschmack der Person(en) ist, die vor der Kamera stehen.


Und nun zum Schluss: Dein Lebensmotto?

Life is too important to be taken seriously. (Oscar Wilde)

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